Die Hütchenspielertricks des DOSB und der Rückzug Berlins
Lächerliche sechs von hundert Punkten für olympische Sportstätten, kein einziger Euro im Finanzierungsbericht, Gewichtungen, die niemand beschlossen hat, und eine Kommission, die nicht evaluieren durfte: erste 8 Punkte zur sogenannten Evaluierung, drei Tage vor dem Entscheid in Baden-Baden.
Und da sind es nur noch zwei, München und irgendwas in NRW. Dass Berlin die Olympiabewerbung offenbar aufgibt, hatte ich am Dienstag bereits auf Social Media angekündigt. Im gestrigen Newsletter nahm ich den Berliner Quark schon nicht mehr ernst. Es kann keinen besseren Tag für diese neuerliche und selbst verschuldete Pleite geben als einen 23. September. Der Wahnsinn!
Einige Eingeweihte und ältere Semester werden wissen, was ich meine: Ich erinnere mich sehr gut an jenen 23. September 1993 in Monaco, als Berlin mit 45 IOC-Stimmen rechnete und allen Ernstes von den Olympischen Sommerspielen 2000 träumte. Ich erinnere mich sehr gut daran, wie ich nach der Entscheidung, bei der Berlin neun Stimmchen holte und zügig ausschied, ein paar hundert Bärchen-Aufkleber am verwaisten Bewerberstand einsammelte. Die liegen hier noch in meinem Archiv.
Mit den von Berlin für Runde eins fest verplanten 45 Stimmen gewann Sydney damals übrigens gegen Peking (43) im Finale. Und das nur deshalb, weil John Coates , später Thomas Bachs best buddy und CAS-Präsident, in der Nacht vor der Wahl zwei afrikanische IOC-Mitglieder mit sogenannten Entwicklungshilfe-Verträgen versorgte, wobei das Geld natürlich auf Privatkonten landete. Zwei der korruptesten IOC-Mitglieder aller Zeiten: Charles Mukora aus Kenia und Generalmajor Francis Nyangweso aus Uganda, Handlanger des Schlächters Idi Amin.
Mukora bedeutet in Suaheli übrigens soviel wie Ganove, Betrüger, Schurke. Passend zum Thema.
Ehre wem Ehre gebührt, oder sollte man sagen: zur Feier des Tages? Anyway, hier mal ein ganz wunderbares Dokument zur Berliner Olympiabewerbung 2000, die bis zu dieser laufenden Olympiabewerbung die bisher teuerste war – fast völlig aus Steuermitteln beglichen. Mit Sex-Dossiers und Reißwolf-Affäre. und einer flächendeckenden Unkultur im Umgang mit Steuermitteln. So lustig. Und einige, die damals eine Nebenrolle gespielt haben, sind immer noch in verantwortlichen Positionen im deutschen Sport. Ich bin ziemlich sicher: diesen Bericht des Rechnungshofes über die Prüfung der Vergabe von Zuwendungen durch die Senatskanzlei an die Berlin 2000 Gesellschaft zur Vorbereitung der Olympischen Spiele mbH in den Haushaltsjahren 1991 bis 1993 sowie die Prüfung der Betätigung Berlins bei diesem Unternehmen vom 22. August 1996 gibt es nur hier:

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Nach diesem ellenlangen Einstieg aufgrund aktueller Entwicklungen (keine Ahnung, ob das Kai Wegner bei einem Tennisturnier mit Iris Spranger und Kaweh Niroomand entschieden hat) nun also schnurstracks zum Thema: die Olympiabewerbung/en 2036, 2040, 2044 ff.
Seit 1991 verfolge ich nun intensiv sämtliche Bewerbungen, national und international, meine Recherchen haben einiges hervorgebracht im Laufe der Jahre, IOC-Mitglieder fragen regelmäßig bei mir nach, und genau deshalb kann ich mir ein Urteil über das Material erlauben, das der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gestern zu den 2 (München, NRW) plus 1 (Berlin stand noch auf dem Papier) verbliebenen Offerten veröffentlicht hat.
Sie wollen es genau wissen?
Es ist ein Jammer. Skandalös. Ein Schlag ins Gesicht jedes an Transparenz, Good Governance und Demokratie interessierten Bürgers. Eine Schande, für die alle Beteiligten aus Sport und Politik Verantwortung tragen. Niemand hat das Recht, sich aus seiner Verantwortung zu stehlen. Naming and shaming!
Und all jenen, die glauben, sie müssten schweigen, weil Olympia irgendwie gut wäre und man das große Ziel ja nicht gefährden wolle mit so schrägen Forderungen nach demokratischer Teilhabe, Transparenz und sauberen Regeln, denen sei gesagt: Ihr seid mitschuldig. Ohne Ausnahme.
Hier also einige belegte Bewertungen zur fachlichen Qualität (erschreckend), zur Transparenz (nicht vorhanden), zum Regelwerk (im Grunde nicht vorhanden, weil vom DOSB von Anfang bis Ende in jeder Beziehung nach Gutdünken im laufenden Prozess verändert), zur Unabhängigkeit der sogenannten Prüfer (nicht vorhanden), zu Finanzen (absurd, nicht vorhanden), zu den angeblichen Olympic Venues und einigem mehr.
