Der späte Sieg des Jacques Rogge
Olympiabewerbungen und olympisches Programm: Auf der 146. Session in Lausanne beerdigt das IOC mehrere Kernpunkte der Ära Thomas Bach und kehrt zu einigen Prinzipien zurück, die maßgeblich unter dem Belgier Jacques Rogge entwickelt wurden.
IOC-Ehrenpräsident Thomas Bach saß natürlich in der ersten Reihe, auf dem Podium, als das Völkchen, das er von 2013 bis 2025 mit harter Hand regierte und in weiten Teilen selbst auswählte, am Mittwochnachmittag in Rekordtempo einige seiner sogenannten Reformen hinwegfegte. Es brauchte nicht mal irgendwelche Wahlgeräte, um die Mehrheiten für zahlreiche Änderungen der Olympischen Charta festzustellen. Es gab weder eine Diskussion noch Gegenstimmen. Und schon waren ganz entscheidende Fragen zum Olympischen Programm und zu Bewerbungen um Olympische Spiele geändert.
Was Bach eingeführt hatte, und was von seinen Claqueuren (nicht nur im Sitzungssaal in Lausanne, sondern auch von den üblichen Verdächtigen in Deutschland) viele Jahre lang falsch als Reform bezeichnet worden war, ist Vergangenheit. Und es werden weitere Änderungen folgen, über die jetzt noch nicht geredet wurde, beispielsweise einschneidende Reduzierungen in der IOC Group, der Administration und der IOC-Firmen wie dem Olympic Channel, der außer einer Milliardeninvestition bisher keine nennenswerten Resultate vorweisen kann. Alles Altlasten, die Bach dem IOC hinterließ. Mehr als eine Milliarde Dollar sind verloren, diese gewaltige Summe hätte ganz wunderbar den Sportlern aus aller Welt zugute kommen können, die doch im Mittelpunkt des IOC-Strebens stehen, wie Präsidentin Kirsty Leigh Coventry auch heute mehrfach behauptete.

Die Übertragung von dieser Session auf dem Youtube-Channel des IOC war von Regiefehlern und dauerhaften technischen Störungen geprägt. Zeitweise fielen Bild und Ton aus. Das passte durchaus zu dem kleinen olympischen Beben, das sich in Lausanne vollzog.
