Die Fälscherwerkstatt DOSB
In einem offiziellen Dokument zur Olympiabewerbung – dem sogenannten "Ergebnisbericht der Arbeitsgruppe Kosten und Finanzierung", in dem keine einzige Zahl auftaucht – hat der DOSB heimlich ein wichtiges Detail verändert, ohne das deutlich zu machen und ohne die Falschbehauptung zu kommunizieren.
Die Hütchenspielertricks des DOSB, Teil 3 in dieser Woche, ein weiterer Münchhausen-Test.
Guten Morgen! Ich gebe den Gremien, die ab 10 Uhr in Baden-Baden tagen (DOSB-Präsidium, Olympische Verbände, Nichtolympische Verbände) und Ihnen, liebe Leser, mal kurz diese Geschichte mit auf den Weg, bevor ich pünktlich zur Konferenz der Spitzenverbände heute das detaillierte Wahlergebnis der kastrierten Mitgliederversammlung von morgen veröffentliche.
Stay tuned. Alle Teilnehmer der bevorstehenden Sitzungen wissen, wie Sie mich erreichen können. Schicken Sie mir Ihre Notizen und Beobachtungen. Etliche von Ihnen machen das bereits brav, das kann aber besser werden, es ist nie genug.
Sorgen Sie dafür, dass die Choleriker in Ihren Sitzungen (Thomas Weikert, Jörg Brokamp et al) sich wieder mächtig darüber aufregen müssen, warum alles in diesem Newsletter steht. Weikert bekam beispielsweise am Dienstag einen Wutanfall, nachdem ich noch während der Sitzung das Ergebnis der angeblichen Evaluierung im Original veröffentlicht hatte. Er forderte Geschlossenheit und Solidarität von der Sportfamilie ein. Erinnert mich an die letzten Tage des Politbüros im Herbst 1989, nur dass es nach Erich Weikert ab 5. Dezember mit Micky Honecker noch schlimmer weitergehen wird.
Aber gut, nun zum jüngsten Sachverhalt, der mich gestern doch etliche Minuten sprachlos gemacht hat. Sie kennen das gewiss: Man denkt, auf einem gewissen Gebiet (und im Leben sowieso) schon einiges erlebt zu haben und kaum noch überrascht werden zu können. Und dann so etwas:
Der DOSB verändert ein zentrales Dokument, den Ergebnisbericht der Arbeitsgruppe Kosten und Finanzierung zur Auswahl des deutschen Bewerbungskonzepts um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044, in einem entscheidenden Punkt.
Diese Änderung geschieht heimlich.
Das Dokument, ein Produkt eines Jahre währenden skandalös-intransparenten Prozesses, der die Rekordsumme von mehr als 60 Millionen Euro verschlungen hat, steht online, ohne dass im Dokument eine Notiz zur Änderung gemacht wird. Das neue Dokument führt also in die Irre. Diese Konvolute angeblicher Prüfdokumente, ob heimlich verändert oder nur gelogen, sollen genau das: täuschen und in die Irre führen. Wäre es anders, hätte man wenigstens Änderungen deutlich gemacht und kommuniziert, oder?
Ich nenne das eine Art Urkundenfälschung. Aber was weiß ich schon, ich kenne mich nur mit Olympiabewerbungen aus, bin aber kein Jurist von Frechfields oder anderen DOSB-Dienstleistern, die irgendwelche abstruse Prüfsiegel erteilt haben, ohne wirklich zu prüfen und/oder Ahnung von der Materie zu haben.
Ich hatte Ihnen gestern exklusiv über den Sachverhalt berichtet, lesen Sie nach:

Der DOSB hatte im angeblichen Prüfbericht zu den Olympiakosten, in dem keine einzige Zahl auftaucht, eine Art Prüfsiegel des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages behauptet.
