Ohrfeige für Micky Mronz? München führt gegen irgendwas in NRW

Was wäre eine Olympiawahl ohne Hochrechnung und eine eigene, nun ja, Matrix? Zwar gilt die Grundregel bei derlei Voten, dass man sich vor Mitternacht besser nicht festlegen sollte. Doch manchmal muss man Risiko gehen, und sei es nur, um Ihnen Diskussionsstoff zu liefern. Das Ergebnis von morgen :)

Ohrfeige für Micky Mronz? München führt gegen irgendwas in NRW

Gerhard Schröders ehemaliger Kofferträger Torsten Burmester – im Unfrieden aus dem DOSB ausgeschieden, heute Oberbürgermeister von Köln – war gerade stolz wie Bolle. Da tauchte seine SPD-Genossin Manuela Schwesig beim Abendempfang in Baden-Baden auf, zu dem Journalisten nicht zugelassen waren. Schwesig sollte noch ein paar Stimmchen besorgen für die morgige Abstimmung über den finalen deutschen Olympiabewerber. Das ist bitter nötig, denn aus dem NRW-Lager kommt deutliche Kunde auf diversen Kanälen, dass es nicht reichen könnte, trotz dubioser Unterstützung weiter Teile der DOSB-Führung und der Administration um den selbstverliebten Bewerbungsamateur Stephan Brause, Liebling des Präsidenten Thomas Weikert.

Es ist wie so oft bei solchen Entscheidungen, ich skizziere Ihnen das seit vielen Jahren intensiv. Oft ändert sich das Stimmenverhältnis noch tief in der Nacht. In diesem Fall lässt sich mit der gebotenen Zurückhaltung sagen:

  1. Die Angst wird in NRW immer größer.
  2. Die gestern noch ängstlichen Bayern werden zuversichtlicher.
  3. Der Ärger auf den olympischen Chef-Lobbyisten Michael Micky Mronz, der kürzlich in Aachen bei seiner Reit-WM Hof hielt und die IOC-Präsidentin so ganz privat zu Gast hatte, steigt rapide.

Immer mehr Verbandsvertreter wollen Micky gern eins auswischen. Es gibt sogar ziemlich gut informierte Menschen im DOSB-Kosmos, die sich vorstellen können, dass der wandelnde Interessenkonflikt Micky Mronz die Wahl zum DOSB-Präsidenten gegen Martin Engelhardt verlieren könnte. Diese Entscheidung steht aber erst am 5. Dezember in Frankfurt am Main an. Bis dahin wird es noch tausend Wasserstandsmeldungen geben.

Konzentrieren wir uns also auf das, was am morgigen Samstag im Kurhaus zu Baden-Baden abläuft, an wahrlich olympischer Stätte.

Eine Hochrechnung gefällig?

Sie wollen es doch auch. Und ja, auch auf die Gefahr hin, dass ich total daneben liegen könnte, biete ich Ihnen diesen Spaß. Habe viele Tage daran gearbeitet und tausende Daten einbezogen, mehr als 500 Personen, zu jedem Verband hunderte Parameter, und zu jedem Präsidiumsmitglied und persönlichen Mitglied des DOSB ebenfalls. Datenanalyse, Dokumente und Hintergrundwissen, sportpolitische Erfahrung und täglich viele Stunden am Telefon – das ist die Melange, auf der ich mich auch diesmal daran versuche. Das hat in der Vergangenheit bei IOC-Wahlen mitunter prächtig funktioniert. 2013 habe ich das Ergebnis für Thomas Bach ziemlich genau vorhergesagt; 2025 gab es den Wahlsieg für Kirsty Coventry in der Nacht vor der Wahl ziemlich exakt beschrieben, es gab nichts Vergleichbares weltweit, was im IOC sehr wohl registriert wurde.

Aber diesmal? Ich bin nicht der einzige der wenigen sportpolitischen Berichterstatter, die wirklich recherchieren, der unsicher ist. Um Sie zu unterhalten und bestenfalls olympisch zu bilden, versuche ich es dennoch.

Bevor ich dazu komme, erzähle ich Ihnen noch mein Lieblingsbeispiel dafür, wie blöd solche Vorhersagen manchmal laufen können. Wenn Sie das nicht interessiert, scrollen Sie nach unten, zu meiner Verteidigung aber muss das sein:

Im Juli 2000 verlangte mein damaliger Chefredakteur von mir, dass ich aus Zürich zum Tag der Entscheidung über die Fußball-WM 2006 die Voten aller 24 Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees vorher sagen solle. Ich habe mich geweigert. Es wurde sogar mit Entlassung gedroht. Mein Argument, bei solchen Entscheidungen könne man meistens erst nachts an der Bar der Kongresshotels einigermaßen erahnen und schmecken und fühlen und – mit Abstrichen – manchmal sogar wissen, in welche Richtung es geht, dieses Argument wurde nicht gehört. Also musste ich diese 24 Kurzporträts zur Stimmabgabe machen und habe ein 13:11 für Südafrika gegen Deutschland erarbeitet und nach Berlin gekabelt. Es hat mich angekotzt, weil ich wusste, was passieren würde.

Als ich dann Stunden später, tief in der Nacht, mit meinem damaligen Recherchepartner das Grand Hotel Dolder verließ, nach langen Gesprächen mit Julio Grondona und all den Ganoven, mussten wir, wie knapp es werden würde. Deutschland würde gewinnen. Den Rest erledigte mein alter Fußballkumpel Martin Sonneborn mit seinem Fax, das den greisen Charles Dempsey so sehr verwirrte, dass dieser die Flucht antrat.

12:11 für Deutschland.

War ich deshalb ein Versager und habe falsch berichtet bzw falsch vorher gesagt? Ich würde sagen: eher nicht. Wir schrieben das Jahr 2000. Da ließ sich nicht mitten in der Nacht eine Zeitungsseite ändern oder so einfach ein weiterer Newsletter mit aktuelleren und vor allem präziseren Wasserständen verschicken.

Und jetzt zur Prognose, zur Vorhersage, zur Prediction, zum Orakel, nennen Sie es, wie Sie wollen.

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